Deutschlandstipendiatin Luna Rauer studiert Medizin
Neben den Studienleistungen zählt bei der Auswahl der Deutschlandstipendiat*innen insbesondere das ehrenamtliche Engagement. Die Artikelreihe mein.engagement stellt diese vielfältigen Aktivitäten vor, beleuchtet die Motivation dafür und bietet den Lesenden die Möglichkeit, sich darüber zu informieren.
Die Krise auf dem Mittelmeer sowie die Arbeit der zivilen Seenotrettung öffentlich wahrnehmbarer machen und Aufklärung leisten. Das sind Aufgaben von Luna Rauer. Die 22-jährige Medizinstudentin engagiert sich ehrenamtlich bei Search and rescue for all humans – kurz: SARAH.
Ich engagiere mich bei SARAH Seenotrettung, einer Initiative, die zivile Seenotrettung für Menschen in akuter Gefahr leistet und damit ein klares Zeichen gegen das Sterben auf dem Mittelmeer setzt. In meiner Rolle als PR-Verantwortliche kümmere ich mich darum, unsere Arbeit sichtbar zu machen – sei es durch Social Media, Pressearbeit oder Fundraising-Kampagnen. Mein Ziel ist es, Menschen über die humanitäre Notwendigkeit unserer Arbeit aufzuklären. Für mich steht fest: Menschenrechte und Solidarität dürfen nicht an Landesgrenzen enden. Deshalb möchte ich meine Fähigkeiten – vor allem im Bereich Kommunikation – dafür einsetzen, mehr Menschen zu sensibilisieren und Unterstützung zu mobilisieren.
Bereits 2017 habe ich mit dem Rotary Club bei der Integrationsförderung von Geflüchteten zusammengearbeitet – diese Thematik liegt mir schon immer sehr am Herzen. Nachdem ein Kommilitone 2022 einen Vortrag an unserer Universität zu den schockierenden Zuständen der europäischen Grenzpolitik mit Hinsicht auf das Mittelmeer hielt, war ich fassungslos. Er berichtete von der gezielten Behinderung ziviler Rettungsschiffe, von Küstenwachen, die Boote mit Menschen in Not zurück in Folterlager nach Libyen schleppen, und von der zunehmenden Kriminalisierung derjenigen, die helfen wollen. Mir wurde bewusst: Das Mittelmeer ist längst kein Unglücksort mehr – es ist zum kalkulierten Massengrab geworden. Tausende Menschen ertrinken jedes Jahr, weil europäische Staaten sich weigern, sichere und legale Fluchtwege zu schaffen. Stattdessen setzen sie auf Abschottung, Abschreckung und das bewusste Inkaufnehmen menschlichen Leids. Ich konnte nicht länger nur zusehen. Als Medizinstudentin sehe ich es zudem als meine medizinische Hilfspflicht, in dieser Krise aktiv zu werden und nicht zu akzeptieren, dass das Sterben zur Normalität wird.
Jede Rettung, nicht nur durch unsere Organisation, sondern auch durch andere zivile Seenotrettungsschiffe, mit denen oft ein enger Kontakt besteht, ist ein Moment von unfassbarer Bedeutung – und selbst das ist eine drastische Untertreibung. Nicht alles muss zwingend öffentlich porträtiert werden, aber die persönlichen Geschichten vieler Geflüchteter, seien es Einzelpersonen oder auch Familien mit kleinen Kindern, erreichen uns auf eine Weise, die nicht aufrichtiger sein könnte.
Ohne allzu juristisch werden zu wollen: Seenotrettung ist völkerrechtlich verpflichtend – und wird dennoch gezielt behindert. Schiffe werden festgesetzt, Einsätze verzögert, Helfende kriminalisiert. Gleichzeitig finanzieren europäische Staaten die sogenannte libysche Küstenwache, die Geflüchtete in Folterlager zurückbringt.
Doch auch abseits dieser politischen Hürden ist unsere Arbeit eine immense Herausforderung: Fast alles, was wir tun, basiert auf ehrenamtlichem Engagement neben dem Studium und neben Vollzeitjobs. Damit ein Rettungseinsatz gelingt, müssen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenarbeiten – von der technischen Wartung des Schiffes über die nautische und medizinische Crew bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit und Spendengewinnung. Nur durch dieses Zusammenspiel kann unser Schiff überhaupt auslaufen. Und trotz aller Widerstände werden wir genau das weiterhin tun.
Ja, wir freuen uns über alle, die uns unterstützen möchten – ob im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, medizinische Versorgung, Ingenieurs- und Reparaturarbeiten an Bord, Logistik oder direkt als Bordcrew. Was du vor allem mitbringen solltest, sind Teamgeist, Offenheit und der Wille, dich aktiv für Menschen in Not einzusetzen. Jede und Jeder hat unterschiedliche Fähigkeiten, die bei uns gebraucht werden.
Weitere Informationen
Das Deutschlandstipendium an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz fördert engagierte und leistungsstarke Studierende, die mit ihrem Einsatz in Studium, Ehrenamt und Gesellschaft überzeugen. Dieses besondere Förderprogramm lebt vom Zusammenspiel aus öffentlicher Hand und privatem Engagement: Erst durch die Unterstützung von Spenderinnen und Spendern wird es möglich, die Zukunft junger Talente aktiv mitzugestalten. Jede Spende ist ein wertvoller Beitrag, um Studierende zu ermutigen, ihre Ziele weiterzuverfolgen und ihre Potenziale voll zu entfalten – ein starkes Zeichen für Bildung, Verantwortung und Zukunft.
Weitere Informationen auf der Webseite Deutschlandstipendium